Für alle anderen war ich sportlich, gesund und diszipliniert.
Früh aufstehen, Sport machen, mich tagsüber super gesund ernähren: Das war für mich alles kein Problem. Aber hinter verschlossenen Türen sah es völlig anders aus. Oft ging ich mit schmerzhaft vollem, aufgeblähtem Bauch ins Bett, nachdem ich eine ganze Packung Kekse, viel zu viele Datteln und mal eben ein halbes Glas Mandelmus verputzt hatte.
Essen hatte so viel Macht über mich. Mein Kopf drehte sich ununterbrochen darum. Ich versuchte, „brav“ zu sein und die Kontrolle zu behalten und jeden Abend hatte ich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.
Ich fühlte mich wie ferngesteuert.
Nach außen wirkte es, als hätte ich die Sache mit dem Essen im Griff. Ich war sportlich, aß gesundes Mealprep und war diszipliniert. Ich habe mich sehr lange für meine Essanfälle geschämt und lange Zeit niemandem davon erzählt. Und wenn ich versucht habe, es jemandem zu erklären, kamen Sprüche wie „Ach, jeder isst mal zuviel“ oder „Iss halt einfach ein bisschen weniger“.
Aber das war nicht nur einfach "bisschen zu viel gegessen". Es war das ständig laute Food Noise, das heimlich Essen und jede Menge Scham- und Schuldgefühle. Ich fühlte mich meinen Essanfällen ausgeliefert.
Der Durchbruch kam bei mir mit einer wichtigen Erkenntnis: Das Problem war nicht das Essen. Es war kein Mangel an Willensstärke. Ich brauchte keine strengeren Regeln oder mehr Disziplin. Ich musste verstehen, was die Ursache hinter meinem Verhalten war und lernen, wie man diese Muster im Nervensystem tatsächlich verändern kann.
Als ich das verstanden hatte, hörten die Essnfälle auf mich zu kontrollieren. Ich bin seit über sechs Jahren frei von Essanfällen.
Und heute möchte ich andere Frauen genau dabei begleiten.